Die Inhalte der Weiterbildung sind durch die Prüfungsverordnung bundesweit einheitlich festgelegt. Egal bei welchem Anbieter du lernst — am Ende schreibst du dieselbe Prüfung, und der Stoff ist derselbe. Diese Seite geht die Handlungsfelder im Detail durch und zeigt, was dich inhaltlich erwartet. Für die Struktur der Prüfung selbst siehe Prüfung Industriemeister Metall, für den groben Überblick Ablauf und Prüfungen.
Die drei großen Blöcke
Die Inhalte gliedern sich in drei Blöcke, die genau den Prüfungsteilen entsprechen:
- Basisqualifikationen (Teil 1): fachrichtungsübergreifendes Grundwissen
- Handlungsspezifische Qualifikationen (Teil 2): fachspezifische Inhalte zur Metallbranche
- Ausbildereignung (AEVO, Teil 3): arbeitspädagogische Inhalte
Etwa 50–60 % der Lehrgangszeit entfällt auf die handlungsspezifischen Qualifikationen. Die Basisqualifikationen nehmen 25–35 %, die AEVO 10–15 % ein.
Block 1: Basisqualifikationen
Die Basisqualifikationen sind in fünf Handlungsfelder gegliedert:
Rechtsbewusstes Handeln
- Grundzüge des Arbeitsrechts (Arbeitsvertrag, Kündigung, Arbeitszeit, Urlaub)
- Tarifvertrag und Betriebsverfassungsgesetz
- Grundzüge des Vertragsrechts (BGB-Relevantes)
- Grundzüge des Umwelt- und Produktrechts
- Datenschutz (DSGVO-Grundlagen)
Betriebswirtschaftliches Handeln
- Kosten- und Leistungsrechnung (Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger)
- Investitionsrechnung (statisch und dynamisch)
- Finanzierung und Liquiditätsplanung
- Controlling-Grundlagen und Kennzahlen
- Preisbildung und Deckungsbeitrag
Methoden der Information, Kommunikation und Planung
- Projektmanagement (Phasen, Werkzeuge, Risiken)
- Präsentationstechnik und Moderation
- Gesprächsführung und Konfliktkommunikation
- Dokumentation und Berichtswesen
- Kreativitätstechniken (Brainstorming, 6-3-5, Mindmapping)
Naturwissenschaftliche und technische Gesetzmäßigkeiten
- Mechanik und Statik (Grundlagen)
- Thermodynamik und Strömungslehre (Grundlagen)
- Elektrotechnik (Grundlagen für Metallbetriebe)
- Werkstoffkunde (Eisen, Nichteisen, Kunststoffe)
- Mathematik im technischen Kontext
Zusammenarbeit im Betrieb
- Organisationsformen und Hierarchien
- Gruppendynamik und Teamprozesse
- Kommunikation zwischen Fertigung und Planung
- Veränderungsprozesse und Widerstandsformen
- Interkulturelle Zusammenarbeit
Die Inhalte sind breit, aber nicht übermäßig tief. Wer Mathematik und technisches Grundverständnis aus der Ausbildung mitbringt, tut sich leichter. Betriebswirtschaft ist für viele Facharbeiter der ungewohnteste Teil.
Block 2: Handlungsspezifische Qualifikationen
Dieser Block ist der umfangreichste und fachlich tiefste Teil. Er gliedert sich in drei Bereiche.
Technik
Betriebstechnik:
- Instandhaltungsstrategien (präventiv, reaktiv, zustandsorientiert)
- Wartungspläne und Instandhaltungsmanagement
- Energie- und Medienversorgung in der Fertigung
- Anlagenverfügbarkeit, OEE, Schwachstellenanalyse
Fertigungstechnik:
- Urformen (Gießen), Umformen (Schmieden, Walzen, Biegen)
- Spanen (Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen)
- Fügen (Schweißen, Löten, Kleben, mechanische Verbindungen)
- Trennen und Zerteilen
- Beschichten und Oberflächentechnik
- Additive Fertigung (Grundlagen)
Montagetechnik:
- Montagesysteme und -prinzipien
- Prüftechnik und Qualitätskontrolle
- Verbindungstechnik und Toleranzen
- Handhabung und Automatisierung
Organisation
Betriebliches Kostenwesen:
- Kalkulationsverfahren (Divisions-, Zuschlags-, Maschinenstundensatz-Kalkulation)
- Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung
- Make-or-Buy-Entscheidungen
- Wirtschaftlichkeitsbewertung
Planungs-, Steuerungs- und Kommunikationssysteme:
- ERP-Systeme (SAP, Microsoft Dynamics, Navision) im Überblick
- MES-Systeme und Betriebsdatenerfassung (BDE)
- Produktionsplanung und -steuerung (PPS)
- Logistikkonzepte (Just-in-time, Just-in-sequence, Kanban)
Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz:
- Rechtliche Grundlagen (ArbSchG, BetrSichV, DGUV-Vorschriften)
- Gefährdungsbeurteilung
- Unterweisung und Dokumentation
- Betriebsanweisungen und Notfallmanagement
- Umweltmanagement nach ISO 14001 (Grundlagen)
Führung und Personal
Personalführung:
- Führungsstile und Situationsgerechte Führung
- Zielvereinbarung und Feedback
- Konflikt- und Kritikgespräche
- Motivation und Anerkennung
- Führung unterschiedlicher Generationen
Personalentwicklung:
- Qualifikationsbedarfsanalyse
- Einarbeitung und Unterweisung
- Förderung und Potenzialentwicklung
- Beurteilung und Zielgespräche
- Personalauswahl und Einstellung
Qualitätsmanagement:
- Prozessorientierung und Regelkreise
- Kundenorientierung und Reklamationsmanagement
- Qualitätsaudits (intern und extern)
- QM-Systeme nach ISO 9001 (Grundlagen)
- Statistische Prozessregelung (SPC)
Block 3: Ausbildereignung (AEVO)
Die AEVO gliedert sich in vier Handlungsfelder:
- Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen: Eignung des Betriebs, Rechtsgrundlagen, Ausbildungsplan
- Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung mitwirken: Auswahlverfahren, Ausbildungsvertrag, Einführung
- Ausbildung durchführen: Lernmethoden, Unterweisung, Förderung, Konfliktmanagement
- Ausbildung abschließen: Prüfungsvorbereitung, Zeugniserstellung, Weiterentwicklung
Die AEVO ist weniger technisch, dafür stark pädagogisch orientiert. Wer noch nie eine Ausbildung durchgeführt oder begleitet hat, muss hier neue Begriffe und Methoden lernen.
Wie tief gehen die Inhalte?
Die Inhalte sind breit angelegt, aber nicht auf akademischer Tiefe. Ein Industriemeister ist kein Maschinenbauer — er muss verstehen, wie Prozesse funktionieren, nicht, wie sie konstruiert oder entwickelt werden. Diese Einordnung ist wichtig für die Erwartung an den Lehrgang:
- Technik: anwendungsorientiert, mit Fokus auf typische Fertigungsprozesse in der Metallverarbeitung
- Betriebswirtschaft: an den Bedürfnissen eines Fertigungsbereichs orientiert, ohne Detailtiefe der Controlling-Fortbildungen
- Führung: praxisnah, mit Fallbeispielen aus dem Fertigungsalltag
Wer bereits Berufserfahrung in der Metallverarbeitung hat, erkennt vieles wieder. Der Unterschied zur Facharbeiterebene ist weniger die Tiefe als die Breite und die methodische Einordnung.
Was ist im Lehrgang nicht enthalten?
Typische Missverständnisse zum Lehrgang:
- Kein Programmieren: Weder CNC-Programmierung noch SPS-Programmierung ist Prüfungsstoff. Grundverständnis ja, aktive Programmierung nein.
- Keine CAD-Ausbildung: Konstruktion und 3D-Modellierung sind nicht Prüfungsinhalt.
- Keine tiefgehende Mathematik: Mathematik wird nur in den Grundlagen behandelt, kein Differenzial- und Integralrechnen.
- Keine detaillierten Rechtskenntnisse: Arbeits- und Vertragsrecht werden in den Grundlagen behandelt, aber nicht auf Juristenniveau.
- Keine konkrete Produktentwicklung: Der Meister steht in der Fertigung, nicht in der Entwicklung.
Wer diese Inhalte erwartet, sollte eher über einen Techniker- oder Bachelor-Studiengang nachdenken.
Häufige Fragen
Für einen berufsbegleitenden Lehrgang sind 10–15 Stunden pro Woche realistisch — inklusive Präsenzzeit, Nachbereitung und Übungsaufgaben. In Prüfungsphasen steigt der Aufwand.
Die handlungsspezifischen Qualifikationen mit den situationsbezogenen Aufgaben. Der zweite Prüfungsteil ist der Hauptgrund, warum Teilnehmer durchfallen. Er verlangt Anwendung, nicht Auswendiglernen.
Gute Grundkenntnisse aus der Berufsausbildung reichen. Der mathematische Anteil im Lehrgang ist überschaubar und praxisorientiert.
Nein. Der Schwerpunkt liegt auf den Verfahren, die in der Metallverarbeitung verbreitet sind — Zerspanen, Schweißen, Umformen. Spezialverfahren werden nur im Überblick behandelt.
Ja, dem Inhalt nach. Die Prüfungsverordnung gibt den Rahmen vor. Unterschiede gibt es in der Vermittlungsweise, im Praxisanteil und in der Prüfungsvorbereitung.
Nächster Schritt
Für den Ablauf der Prüfung geht es auf Prüfung Industriemeister Metall. Wer die handlungsspezifische Qualifikation im Detail verstehen will, liest weiter auf Handlungsspezifische Qualifikation.